Wert gesunder Lebensmittel in Gärtnerei lernen

23.11.2018 | Nachrichten

Anneliese Schippani als Green-Care-Betrieb mit der Hoftafel ausgezeichnet – Klassenzimmer rückt in die Gärtnerei zwischen Gurken und Tomaten

"Du bist kostbar, weil es nur wenige Bäuerinnen gibt". Diese Aussage einer Schülerin, wie sie jedes Jahr zu Hunderten - 2017 waren es über 700 Kinder - ihren Betrieb im 11. Wiener Gemeindebezirk besuchen, zeigt Gemüsegärtnerin Anneliese Schippani, wie wichtig ihre Arbeit und die Auseinandersetzung mit Kindern und Jugendlichen ist. Dafür wurde ihr Einsatz nun mit der Green Care-Hoftafel zertifiziert.

Schule am Bauernhof in Wien von besonderer Wichtigkeit

Anneliese Schippani ist eine von zwölf Anbieterinnen von 'Schule am Bauernhof' in Wien, die die Notwendigkeit erkannt hat, neben ihrer eigentlichen landwirtschaftlichen Tätigkeit, Kindern die Realität eines landwirtschaftlichen Betriebes näherzubringen - abseits der Medien, die das Bild der Landwirtschaft wie so oft verzerrt darstellen. Die Obfrau der Wiener Gärtnerinnen ist eine begeisterte Brückenbauerin zu den sogenannten 'Konsumentinnen und Konsumenten von morgen' und leistet damit einen wertvollen Beitrag zum Heranwachsen gesunder Kinder und Jugendlicher. Der Obmann des Wiener Bauernbundes, Präsident ÖkR Ing. Franz Windisch, unterstreicht die "Botschafterfunktion" von Green Care für die Stadtlandwirtschaft. "Unsere Anbieterinnen und Anbieter eröffnen den Kindern damit eine Welt, die vielen von ihnen fremd ist. Nicht nur, dass sie hinter die Hoftüren blicken können, erleben sie auch, wieviel Arbeit und Know-how für die Produktion gesunder, bäuerlicher Lebensmittel notwendig sind. Die 'grüne Pädagogik' als wesentlicher Bestandteil des Vorhabens "Green Care - Wo Menschen aufblühen" macht vor allem im 1,9 Mio. Einwohner zählenden Wien Sinn, das als einzige Metropole in Europa über eine eigene Landwirtschaft und Anbauflächen innerhalb des Stadtgebietes verfügt." Im Jahr 2017 haben beinahe 17.000 Kinder und Jugendliche von "Schule am Bauernhof"-Programmen in Wien profitiert.

Tomaten sind grün, bevor sie reif werden und ein dünnes Fädchen wächst zu einer Gurke heran

Gemüsegärtnerin Anneliese Schippani wird regelmäßig mit staunenden Kinderaugen konfrontiert, wenn wieder eine Schulklasse aus einem Wiener Bezirk zum "Unterricht" auf ihren Betrieb kommt. An diesem Tag dreht sich alles um die Beziehung zur Natur und das Erkennen regionaler Lebensmittel. "Ich bin kostbar - komm und koste mich" lautet daher der Titel ihres Programms, mit dem sie ihren jungen Besucherinnen und Besuchern Wertschätzung für die Natur und deren Ressourcen sowie für gesunde, bäuerlich erzeugte Nahrungsmittel vermittelt, "weil mir meine Erfahrung gezeigt hat, dass vieles davon als selbstverständlich angesehen wird. Das liegt auch daran, dass insbesondere im städtischen Bereich der Bezug zur und das Wissen über die regionale Landwirtschaft fehlen", erklärt Anneliese Schippani. Beim Gang durch das große Glashaus der Gärtnerei erfahren die Schülerinnen und Schüler, wie ein Arbeitsjahr in der Gärtnerei verläuft, was geschützter Anbau bedeutet, welche enge Verbindung zwischen der Landwirtschaft und dem Wetter besteht, wofür die Gärtnerin die Nützlinge einsetzt und welche Aufgabe die umherfliegenden Hummeln haben. Besondere Begeisterung und manchmal auch Verwirrung lösen die Tomaten- und Gurkenpflanzen in ihren unterschiedlichen Reifestadien aus. Doch nur im direkten Vergleich können ökologische Kreisläufe anschaulich dargestellt werden, weiß die Gemüseexpertin.

Sensibilisierung für Abfallvermeidung

Bei der gemeinsamen Zubereitung einer Gemüse-Jause geht es dann auch um Lebensmittelverwertung und Abfallvermeidung. Anneliese Schippani gestaltet ihre Ausführungen sehr bildhaft, sie achtet darauf Bezüge herzustellen, die Kinder verstehen können. Daher werden bei der Überprüfung der Frische von beispielsweise Milch oder Gemüse alle sensorischen Fähigkeiten getestet. Auch der Wäschekorb kommt zum Einsatz. Er zeigt anschaulich auf, welchen Berg an noch verzehrbaren Lebensmitteln jeder Österreicher proJahr im Abfall entsorgt. "Wer achtlos Nahrung wegwirft, die leicht 'beschädigt' ist oder das Mindesthaltbarkeitsdatum knapp überschritten hat, weiß ihren Wert nicht zu schätzen. Ich zeige den Kindern, dass viele dieser Produkte noch essbar sind und wie wichtig gesunde Ernährung mit bäuerlichen Produkten aus der Region für sie ist. Man sollte Kinder und Jugendliche früh für die Rolle und die Aufgaben der heimischen Landwirtschaft sensibilisieren, denn mit ihrem späteren Konsumverhalten werden sie die Zukunft des Bauernstandes und die Entwicklung der bäuerlichen Betriebsformen mitbestimmen", verweist Anneliese Schippani auf die Bedeutung einer engen Beziehung zwischen bäuerlichen Erzeugern und den Verbrauchern.