LK-Vollversammlung: „Standort Wien muss gesichert werden“

09.01.2019 | Nachrichten

LK Wien fordert von Landespolitik proaktives Bekenntnis zum Agrarstandort

Windisch: Ohne unterstützende Rahmenbedingungen können bäuerliche Leistungen nicht gewährleistet werden

Die Vollversammlung der Landwirtschaftskammer hat in der Dezember-Sitzung ein starkes Signal in Richtung der Wiener Landesregierung abgegeben. Der Obmann des Wiener Bauernbundes, Präsident ÖkR Ing. Franz Windisch, brachte es in seiner Rede vor den Kammerräten und Interessenvertretern auf den Punkt: „Wir leisten sehr viel für diese Stadt – und brauchen auch die notwendige Rückendeckung für unser Handeln!“

Vorzugsschüler braucht richtige Rahmenbedingungen
Die Wiener Stadtlandwirtschaft ist Vorzugsschüler in Sachen nachhaltiger,ökologischer Bewirtschaftung: 90% der agrarischen Nutzfläche werden nach ÖPUL-Richtlinien bewirtschaftet, fast 30% nach biologischen Kriterien (2. Platz bundesweit) und insgesamt sind 2 Mio. m2 Bienenweideflächen angelegt. "Doch alles Wirken und Tun nützt wenig, wenn unseren Bewirtschaftern beim Pflanzenschutz keine Maßnahmen zur Hand gegeben werden, mit denen sie Lebensmittel erzeugen können, die die Handelsnormen erfüllen und den qualitativen Erwartungen der Verbraucher und des Handels entsprechen", verwies Windisch bei der Vollversammlung auf die große Problematik fehlender Notfallzulassungen, die heuer zu einer "großen Nahrungsmittelvernichtung" geführt haben. "Die Stadtlandwirtschaft braucht ein proaktives Bekenntnis der politisch Verantwortlichen zum Agrarstandort Wien, das mit Taten zu unterfüttern ist", fordert Windisch," sonst ist die gelebte Sozialpartnerschaft nur eine Worthülse."

Schwierige wirtschaftliche Situation und Wettbewerbsnachteil ausgleichen
Der Dürre- und Hitzesommer 2018, verursacht durch den Klimawandel, hat im österreichischen Ackerbau zu massiven Mengen- und Qualitätseinbußen durch den epidemischen Anstieg tierischer Schädlinge geführt. So haben Rübenrüssler, Erdfloh, Rübenminiermotte im Zusammenhang mit dem Klimawandel bundesweit 1 Mio. Tonnen, und damit ein Drittel der Zuckerrübenernte vernichtet, bei Biorüben sogar 86% der Anbaufläche. Ein Drittel der Speisekartoffelernte - 130.000 t - musste wegen Drahtwurmbefalls entsorgt werden. "Vor diesem Hintergrund wurden für Wien auch noch Notfallzulassungen für unbedingt notwendige Saatgutbeizungen abgelehnt, während sie etwa im Nachbarbundesland Niederösterreich für unbedingt notwendig wurden", kann Windisch diese Entscheidung, die einen Wettbewerbsnachteil für die Bauern der Bundeshauptstadt bedeutet, nicht nachvollziehen. Ohne diese Betriebsmittel seien die Kulturen nicht vor Schädlingsfraß und Krankheiten zu schützen und somit auch die Versorgungsautarkie mittelfristig nicht mehr aufrechtzuerhalten, mahnt der Präsident.

Bessere Einbindung der Stadtlandwirtschaft gefordert
Die bäuerliche Interessenvertretung fühlt sich diesbezüglich von den zuständigen politischen Landesstellen "nicht eingebunden". Auch aufgrund anderer kürzlich erfolgter Vorkommnisse hat die Vollversammlung daher einstimmig eine Resolution verabschiedet, in der sie die "zwingende Einbindung" der LK als Sozialpartner verlangt, insbesondere bei hoheitlichen Landesentscheidungen, die den Agrarbereich betreffen, die Bewirtschaftung erschweren und die Wettbewerbsfähigkeit in Wien schmälern. Mehraufwand und Minderertrag, die durch derartige landespolitisch verordnete Eingriffe und Maßnahmen zu Wettbewerbsnachteilen für die 650 Landwirtschaftsbetriebe führen, seien zu entschädigen, heißt es weiter. Ferner wird zur Sicherung regionaler Wertschöpfungskreisläufe und Arbeitsplätze, sowie einer gepflegten Kulturlandschaft als Naherholungsraum, Unterstützung für alle Formen der Regionalvermarktung (LEH, Märkte, Ab Hofverkauf, Direktvermarktung, Gemeinschaftsküchen, etc.) und der Wiedererkennbarkeit der Wiener Herkunft eingefordert.