LK-Vollversammlung: Strategien für die Stadtlandwirtschaft präzisiert

13.08.2019 | Nachrichten

Die Vollversammlung der Landwirtschaftskammer definiert Standort- und Markenentwicklung sowie Bio-Ausbau als strategische Stoßrichtungen

Die Vollversammlung der Landwirtschaftskammer Wien hat einstimmig in der Sommersitzung ein zentrales Arbeitsprogramm mit dem Titel „Zukunft der Stadtlandwirtschaft“ verabschiedet. „Dadurch wollen wir den fortwährenden Anpassungsprozess in der Wiener Landwirtschaft Rechnung tragen und neuen ökologischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Entwicklungen gerecht werden“, so der Obmann des Wiener Bauernbundes, Präsident Ing. Franz Windisch.
Gemeinsamen Gestaltung der künftigen Wiener Landwirtschaft
"Ausgangspunkte unserer Überlegungen waren Fakten wie die steigenden Bevölkerungszahlen, die Idee, Trends wie die verstärkte Nachfrage nach regionalen Lebensmitteln für die Betriebe zu nutzen, die Ökologisierung sowie die Digitalisierung in allen Bereichen der landwirtschaftlichen Arbeit voranzutreiben und dabei agrarische Flächen langfristig zu erhalten und wirtschaftliche Perspektiven für unsere Mitgliedsbetriebe zu sichern", erläutert Windisch. Ein breit angelegter Dialog mit Vertretern der Politik und der Wirtschaft waren eingeladen sich einzubringen und den Weg gemeinsam mit den Wiener Gemüsegärtnern, den Winzern und den Ackerbauern zu gehen. "Vor allem aber, sie auch in ihrem Bestreben zu unterstützen, den Bewirtschaftungsstandort nachhaltig zu sichern", so Windisch. Fragen nach den künftigen Herausforderungen für die Branche, wie man diesen begegnet und die Zukunftstrends im urbanen Raum mitträgt, gaben schließlich die Stoßrichtung vor.
Dachmarke für Produkte der Stadtlandwirtschaft etablieren
Als übergeordnetes strategisches Ziel definiert wurde die Schaffung einer Dachmarke für die Wiedererkennbarkeit aller Produkte der Wiener Landwirtschaft nach dem Vorbild des "Wiener Weins", die zum einen die Herkunft klar sichtbar machen und zum anderen das Image der bäuerlichen Erzeuger und ihrer Produkte heben sowie die Akzeptanz steigern soll. Ebenfalls im Fokus steht die Standortsicherung, die darauf abzielt, wertvolle Flächen für die Lebensmittelerzeugung zu bewahren und damit für die bäuerlichen Betriebe in weiterer Folge Wertschätzung und Wertschöpfung zu gewährleisten. Als drittes Ziel wurde fixiert, Wien bis zum Jahr 2025 zum Biobundesland Nr. 1 zu machen. "Das muss mit der Nachfrage einher gehen“, so Windisch, der damit kritisierte, dass die Bio-Getreideernte eines Jahres auf Lager liegt, weil es an der Nachfrage fehlt. Zur Umsetzung dieser Vorgaben wurden elf Handlungsfelder mit möglichen Maßnahmen festgelegt. Dazu zählen etwa die Bereiche Bildung und Beratung sowie Kommunikation und Vernetzung, aber auch die Frage der Finanzierung.
Schulungsprogramm soll Arbeitskräftebedarf decken
Dem seit Jahren immer kritischer werdenden Arbeitskräftebedarf in der Landwirtschaft will die LK Wien nun ein gemeinsam mit dem AMS entwickeltes Schulungsprogramm für Arbeit suchende Personen, als unbürokratische Lösungsmöglichkeit entgegensetzen. Ab Herbst gehen die Vorbereitungen in die intensive Phase, um für das kommende Kulturjahr erste Ergebnisse zu erzielen. "Nach den wenig erfolgreichen Versuchen über Jobbörsen engagierte Mitarbeiter zu finden, sehen wir hier durchaus Chancen", ist der Bauernbund-Obmann optimistisch. Windisch zeigte sich kämpferisch, was die Fortsetzung der Verhandlungen zur GAP betrifft: "Wir brauchen für die Verhandlungen über die Finanzierung der kommenden Periode der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) einen vertrauensvollen Vertreter in Brüssel, der sich bei der Frage der budgetären Ausgestaltung der neuen Maßnahmen für die Belange der österreichischen Bäuerinnen und Bauern einsetzt", betonte Windisch in Hinblick auf die kommenden Nationalratswahlen.