Wiener Ackerbau: Ernte erneut durch Wetterextreme geprägt

16.08.2019 | Nachrichten

Der Wiener Ackerbau zieht eine gemischte Bilanz – Trend geht in Richtung Winterkulturen

Die Getreideernte des Jahres ist eingebracht, die Ackerkulturen litten unter dem warmen und trockenen April, konnten durch den feuchten Mai allerdings einen stärkeren Ausfall verhindern. Der Obmann des Wiener Bauernbundes, Präs. ÖkR Ing. Franz Windisch, sieht erneut die Wetterextreme als entscheidendes Motiv für eine nur durchschnittliche bis leicht unterdurchschnittliche Ernte 2019.
Heißer April und feuchter Mai
„Bereits im Oktober 2018 zur Saatzeit der Winterungen herrschte extreme Trockenheit, sodass die Bestände teilweise nur recht ungleich auflaufen konnten“, so Windisch. Der relativ milde Winter jedoch verhalf den geschwächten Pflanzen zum Aufholen des Rückstandes. Im Frühjahr 2019 kam es dann zu einem extrem trockenen und viel zu warmen April, auf den ein rekordverdächtiger Mai mit unterdurchschnittlichen Temperaturen und Niederschlägen von über 100 Litern je m2, folgte. „In vielerlei Hinsicht waren die Niederschläge im Mai eine Rettung für die Ernte“, so der Bauernbundobmann. Der Juni brachte dann mit einer ersten sommerlichen Hitzewelle bei vielen Getreidesorten eine viel zu schnelle Notreife samt Schmachtkornbildung. Die Sommerkulturen (Sommergerste, -durum, Körnererbse) litten wieder an der hitzebedingten zu kurzen Vegetationszeit.
Sommerkulturen durch Hitze und Trockenheit immer weniger angebaut
„Der Anbautrend geht weg von Sommerkulturen hin zu Winterkulturen, welche die längere Vegetationszeit und das Ausnützen der Winterfeuchte mit Ertragstreue danken“, so Windisch. Die Wiener Anbauflächen bei Zuckerrüben, Erbsen und Sommergerste - bzw. Sommerdurum sinken. Die Anbauflächen von Winter(brau)gerste u. -roggen und Soja steigen. Mit über 1000 Hektar ist der Winterweichweizen wieder die Hauptanbaukultur. „Die Erträge 2019 waren durchschnittlich, bzw. vielerorts auch leicht darunter und damit nicht wirklich zufriedenstellend, auch wenn die eingefahrenen Qualitäten durchwegs positiv zu bezeichnen sind.“ Für die Preise lassen sich die geringeren Erträge in Wien und Ostösterreich leider kaum positiv auswirken. Es drücken die europa- u. weltweiten guten Ernten auf den gemeinsamen Weltmarkt, sodass eher nur mit stagnierenden Preisen zu rechnen ist. Die Marktteilnehmer beobachten Erntemengen, Qualitäten, Transportmöglichkeiten (Niederwasser) und Dollarkurs – alles gemeinsam hat Auswirkungen auf die Preisentwicklung. „Unsere Regionalergebnisse relativieren sich daher marktmäßig, da Getreide ein leicht auszutauschendes globales Produkt ist“, so Windisch abschließend.