Vollversammlung LK Wien: „Stellen uns offensiv dem Klimawandel“

13.01.2020 | Nachrichten

ÖPUL ist seit Jahrzehnten bäuerlicher Beitrag zum Klima-, Umwelt- und Artenschutz- Einstellung der Gesellschaft zur Landwirtschaft muss den aktuellen Rahmen-bedingungen entsprechen

"Die Landwirtschaft befindet sich im Umbruch. Als Hauptbetroffene der sich ändernden klimatischen Verhältnisse kann die österreichische Landwirtschaft zugleich aber auch die richtigen Antworten auf die drängenden Klimaprobleme geben - etwa durch die Bereitstellung von erneuerbaren Energien. Als bäuerliche Erzeuger sollten wir versuchen, den Klimawandel als Chance zu sehen, der unter anderem in einer gesellschaftlichen Diskussion über Regionalität und Wertigkeit und einem geänderten Bewusstsein mündet", erklärte der Obmann des Wiener Bauernbundes und Präsident der Landwirtschaftskammer Wien, ÖkR Ing. Franz Windisch bei der Vollversammlung Anfang Dezember.
Marke Stadtlandwirtschaft sichtbar machen
"Wir müssen nicht mehr nur in unserer Produktionsweise Änderungen durchführen und unsere Aufgaben machen, sondern auch proaktiv auf die Verbraucher zugehen und ihnen aufzeigen, welche Überlegungen, Methoden und Arbeitsschritte hinter jedem Lebensmittel stehen. Es reicht heute nicht mehr, dass wir die Menschen satt machen, wir Landwirte müssen von Ernährern zu Erklärern werden", zeigte Windisch den Weg auf. "Es geht um den achtsamen Umgang mit unseren Qualitätslebensmitteln, damit wir eine Chance haben, dafür einen fairen Preis zu bekommen." Windisch wies auch auf Leistungen der Landwirtschaft hin, die seit Jahrzehnten durch die Etablierung des Österreichischen Umweltprogramms ÖPUL im Jahr 1995, für das Klima, die Umwelt, den Artenschutz etc. erbracht hat. „Damit handeln wir bereits offensiv gegen den Klimawandel“, so Windisch. Die Standortentwicklung in Wien zählt zu den Kernthemen des LK-Prozesses "Zukunft Stadtlandwirtschaft 2020-2025". „Vorrangfläche Landwirtschaft“ bezieht sich dabei nicht alleine auf die Fläche an sich, sondern sie ist eng verknüpft mit der bäuerlichen Bewirtschaftung und daher unbedingt vor Begehrlichkeiten einzelner gesellschaftlicher Gruppierungen zu schützen", mahnt der Präsident mit Blick auf die jüngst bekannt gewordene Grünen-Idee von "Grünräumen neu" in der Bundeshauptstadt. Weiters arbeitet die bäuerliche Interessenvertretung an der Entwicklung einer Marke, um damit alle Produkte der Wiener Stadtlandwirtschaft mit klarer Herkunft und Identität für die Verbraucher eindeutig erkennbar zu machen.
Wiener Braugerste-Projekt wird ausgebaut
Nachdem das Braugerste-Projekt mit der Ottakringer Brauerei so gut angelaufen ist - auf 69 ha haben die elf Vertragslandwirte heuer insgesamt 430 t Winterbraugerste geerntet -, wurde die Vertragsmenge für die nächste Saison erhöht. Dann werden 17 Ackerbauern ihre Ernte von nunmehr 105 ha zur Erzeugung dieses Spezialbieres an Ottakringer liefern. "Zwischen der LK Österreich und der Saatgut Österreich wurde vereinbart, dass bei gewissen Kulturen für selbst nachgebautes Saatgut vorläufig auf die Einhebung von Nachbaugebühren verzichtet wird", gab KR Ök.-Rat Ing. Michael Niedermayer bekannt. Grundsätzlich wären alle Sorten, die jünger als 25 Jahre sind, vom Sortenschutz erfasst und damit lizenzpflichtig. Hinsichtlich der Anpassung der Richtlinien und Grundlagen für Entschädigungen im Ackerbau wurden die überarbeiteten Unterlagen dem Rechtsausschuss zur Entscheidung übermittelt. Sie werden der Kammervollversammlung voraussichtlich im kommenden Sommer zur Beschlussfassung vorgelegt.

BB-Obmann Franz Windisch referiert vor der Vollversammlung der LK Wien Fotocredits: Wiener Bauernbund